Rotary Club Zürich

Die Gründungszeit von Rotary aus der Sicht des RC Zürich

(zusammengestellt von Rot. Ulrich Türler)

Im Jahre 1905 versammelte der Chicagoer Rechtsanwalt Paul Harris 5 Freunde um sich, von denen jeder einen andern Beruf vertrat. Sie trafen sich wöchentlich einmal zum Lunch und wechselten dabei von einem Geschäftsdomizil zum andern. Aus dieser Rotation entstand der Name Rotary Club. Es wurden die Ideen und Ziele des neuen Clubs festgelegt, die zum grössten Teil auch heute noch Gültigkeit haben. Mit der Gründung eines zweiten Clubs in San Francisco begann eine rasante Ausbreitung zuerst nur in Nordamerika, aber mit der Gründung des Clubs in Winipeg (Kanada) im Jahre 1911 auch ausserhalb der USA. Die Rotary Clubs von London, Belfast Dublin und Habana wiesen den Weg der weiteren Ausbreitung (1911-1916), die aber dann durch den 1. Weltkrieg gebremst wurde. Immerhin gab es am Ende des Krieges 500 und 1921 bereits 1000 Clubs, wozu auch die ersten in Kontinental-Europa gehörten, z.B. Madrid und Paris.

In der Rotary-Zentrale in Chicago bestand nun der grosse Wunsch, einen Club im deutschsprachigen Europa und zwar in Zürich zu gründen. Der Club von Paris sollte dabei behilflich sein und wurde so zu unserem Patenclub. 1923 weilte der Zürcher Hotelier Hugo Prager in Paris und wurde dort an den Rotary Lunch eingeladen. Dass er dabei als zukünftiger Gründungspräsident von Zürich angesprochen wurde, schien ihm eher peinlich zu sein, denn er hatte eine strenge Wintersaison vor sich und eigentlich kaum freie Zeit für eine Clubgründung. Aber Amerika liess  nicht locker: Wohl wurde in Zürich die Gründung eines Rotary Clubs diskutiert, vor allem im Kreise der Mitglieder der Sfusa (Swiss friends of the United States of America). Aber als auf einen erneuten Brief aus dem internationalen Rotary-Office nichts Konkretes passiert war, kam Commissionar Warren Teele persönlich nach Zürich, worauf es dann Schlag auf Schlag vorwärts ging. Auf den 2. Mai 1924 wurden ungefähr 45-50 eventuell interessierte Zürcher Herren zu einer Orientierung ins Elite eingeladen und schon am 5. Mai fand mit 30 Mitgliedern die Gründungsversammlung statt. Diese wählte gleich einen 7köpfigen Vorstand mit Hugo Prager als Gründungspräsidenten, und dieser lud zum ersten offiziellen Club-Lunch am 16. Mai ein.

Ein wesentlicher Teil der 30 Gründungsmitglieder rekrutierte sich aus der Sfusa mit der Einschränkung, dass pro Beruf nur einer Mitglied sein konnte. Aber auch aus dem Zürcher Seeklub fanden sich viele Freunde im Rotary wieder. Der neue Club gedieh gut und zählte am Ende des zweiten Jahres bereits 64 Mitglieder. Im Herbst 1924 wurde die offizielle Charter-Urkunde vom internationalen Rotary-Sekretär feierlich überreicht (Charter Nr. 1784). Zürich gewann an Bedeutung, als 1925 das European Headquater in Zürich gegründet wurde und unser Freund Special Commissonar Warren Teele als Chef gewählt wurde 1925 brachte aber auch die Gründung einer ganzen Reihe von Clubs in der Schweiz wie Bern, Genf, Luzern, Basel, St. Gallen. So konnte nun ein schweizerischer Distrikt gebildet werden, zu dessen erstem Governor unser Gründungspräsident Hugo Prager gewählt wurde. Damit war die Rotary-Bewegung in der Schweiz voll lanciert.

Der Rotary Club Zürich in seinen ersten 25 Jahren

(aus einem Vortrag von Rot. Ulrich Türler beim Inner Wheel Club Zürich, 1998)

Nach der Gründung der Rotarybewegung in Chicago im Jahre 1905 durch Paul Harris und seine Freunde breitete diese sich sehr rasch über den ganzen amerikanischen Kontinent aus. Der Sprung
nach Kontinental-Europa verzögerte sich aber wegen der Weltlage. So entstanden erst 1923, 5 Jahre nach Ende des ersten Weltkriegs die ersten europäischen Clubs: Nr. 1 Paris und Nr. 2 Madrid. In der Zentrale in Chicago bestand aber der Wunsch nach einem Club in der neutralen Schweiz. Paris stellte sich als Götticlub zur Verfügung. Als der Hotelier des Hotels Carlton-Elite, Hugo Prager, der auch Präsident der Sfusa (Schweizer Freunde der USA) war, einmal zufällig in Paris war, wurde er an den Rotary-Lunch eingeladen und dort als Präsident des zukünftigen Zürcher Clubs begrüsst. Dies war ihm eher peinlich, da er eine strenge Wintersaison in seinem Hotel vor Augen hatte und eigentlich keine Zeit für zusätzliche Aufgaben hatte. So passierte denn auch vorderhand nichts. Aber Amerika liess nicht locker. Fred Warren Teele, der Beauftragte für Clubgründungen in Europa, schrieb im Februar 1924 einen energischen Brief, und als dieser nicht eine sofortige Wirkung zeigte, erschien er im April persönlich in Zürich. Dann ging es rasch vorwärts. Auf den 5. Mai 1924 wurde eine Gründungsversammlung einberufen mit 30 Berufsleuten, die in ihrem Beruf eine wichtige Stellung einnehmen mussten (outstandig nach dem amerikanischen Wortlaut der Rotarysatzungen). Es durfte auch nur einer sein pro Beruf. Die 29 Gründermitglieder (einer hatte sich im letzten Moment aus dem Staube gemacht) wählten dann sofort einen 7köpfigen Vorstand mit Hugo Prager als Präsident. Schon am 9. Mai fand die erste Vorstandssitzung statt und am 16. Mai der erste offizielle Lunch im Hotel Elite.

Ich möchte nun versuchen, Ihnen an Hand der damaligen Wochenberichte den Geist des jungen Clubs etwas näher zu bringen. Den Vergleich mit der heutigen Zeit muss ich Ihnen überlassen. Sie sind ja sicher über den gegenwärtigen Rotary-Betrieb bestens im Bild. Vielleicht finden Sie auch gewisse Ähnlichkeiten mit Ihrer eigenen Gründungszeit. Die Präsenzregeln waren sehr streng. Bei Nichtteilnahme musste man sich schriftlich entschuldigen unter Angabe des Grundes. Dieser wurde dann im Bulletin publiziert, so dass man nachlesen konnte, wo jeder einzelne in den Ferien war oder wo er geschäftlich zu tun hatte. Die Feriendestinationen waren von den heutigen noch etwas verschieden, so kommen Meran, Karlsbad und Bad Gastein zum Beispiel häufig vor. Namentlich erschienen auch die wenigen unentschuldigt Abwesenden im Bulletin. Mindestens von den Vorstandsmitgliedern wurde verlangt, dass sie in den Ferien mit dem Club in Verbindung blieben. So machte der Sekretär dem Präsidenten ernsthafte Vorwürfe, weil er aus St. Moritz eine ganze Woche nichts hatte von sich hören lassen. Es wurde sogar Sitte, dass im Ausland Abwesende ein Telegramm sandten.

Am Lunch sass man an langen Tischen im Unterschied zu den heutigen 8er-Tischen. Trotzdem musste sich der Präsident bald einmal gegen Cliquen-Bildung wehren. Es sei unrotarisch, immer neben den Gleichen zu sitzen. Es wurde die Einführung von Tischkarten diskutiert, die man vor dem Eintritt in den Saal hätte ziehen müssen. Diese Diskussion hat sich über die Jahre am Leben erhalten und taucht immer noch alle 10-15 Jahre einmal auf.

Merkwürdigerweise betrug die Präsenz schon damals zwischen 60 und 70% wie heute. Es waren halt gerade in Zürich nach dem Krieg internationale Reisen wieder aktuell geworden. Auch gab es in der Umgebung von Zürich noch keine andern Clubs, bei denen man einen versäumten Lunch hätte nachholen können. Am Familienleben seiner Clubkameraden nahm man regen Anteil. Für eine silbrige Hochzeit schenkte der Club einen Silberbecher und für eine Geburt einen Serviettenring.

Aber auch die auswärtigen Beziehungen wurden gepflegt. Nach der Gründung reist eine Dreierdelegation nach Bern, um Bundespräsident Chuard zu informieren und ihm die Ziele von Rotary darzulegen. Bei einem Besuch des Götticlubs in Paris wird die Zürcher Delegation vom Président de la République empfangen. Hugo Prager, unterdessen zum ersten schweizerischen Governor gewählt, reist an die internationale Convention in Denver. Daran nehmen 12000 Rotarier teil. Mit einer grossen, Rotary Club Zürich geschenkten Flagge der USA reist er wieder heim. Und alles geht gut bis an die Schweizer Grenze. Dort muss er die Fahne verzollen.

Rot. Meister besucht den Club Wien und bringt 100 signierte Exemplare einer Rotary-Hymne heim, die Rot. Franz Lehar komponiert hatte. 29 Zürcher mit 21 Damen besuchen dann die erste internationale Convention auf europäischem Boden in Ostende. Die Ansprache des belgischen Königs Albert wird im vollen Wortlaut im Bulletin von Zürich publiziert. Es wird die Gründung eines Clubs in Deutschland erörtert, aber mit Rücksicht auf das im Krieg schwer geprüfte Belgien hinausgeschoben. Erst ein Jahr später wird Hamburg gegründet und wieder ein Jahr darauf Berlin.

Das European Headquater kommt definitiv nach Zürich (wo es heute noch ist) und zwar unter der Leitung von Fred Warren Teele, der ja bei der Gründung ganz massgeblich beteiligt gewesen war, und der nun ein regelmässiger Gast am Lunch wird. Zu Besuch kommt deswegen recht häufig der internationale Präsident. Sein erster Empfang im Club Zürich soll von abends 8 Uhr bis 4 Uhr in der Früh gedauert haben. Bei seiner definitiven Übersiedlung nach USA als Pensionierter wählt der Club Zürich Teele als sein erstes Ehrenmitglied. Aber auch der Gründer von Rotary, Paul Harris, besucht Zürich mehr als einmal und bei einer Ansprache im Club wird der Satz im Bulletin festgehalten: «Wenn es nur auf dem richtigen Wege bleibt, mein Kind, und sich nicht in Selbstgefälligkeit verliert.»

Zwei Themata geben im Club immer wieder zu Diskussionen Anlass: die Wahl eines neuen Vorstandes am Ende des Rotary-Jahres und die Prozedur bei der Aufnahme neuer Mitglieder. Die Vorstandswahl erfolgte in geheimer Wahl auf Grund schriftlich eingereichter Wahlvorschläge. Dies führte zu grotesken Situationen. So waren nach Ende des dritten Jahres von 93 Mitgliedern 60 zur Wahl in den neuen Vorstand vorgeschlagen. Die sieben Rotarier mit den meisten Stimmen kamen in den neuen Vorstand, der sich selbst konstituierte, also auch den Präsidenten selbst bestimmte. Es war dann ein weiter Weg bis zur heutigen Form, wo der Vizepräsident einen Vorschlag für sein Präsidialjahr vorlegt, der dann in der Mitgliederversammlung meist ohne Diskussion akzeptiert wird. Für die Aufnahme eines neuen Mitgliedes musste sich der vorschlagende Pate sehr strenge Fragen stellen lassen:

Heute wird der Kandidat durch die Mitgliedschafts-Kommission eingehend geprüft, dann ausgeschrieben und wenn keine Einsprachen erfolgen, durch den Vorstand aufgenommen.

Gleichzeitig mit dem Rotary Club Zürich, der im fünften Jahr sein 100tes Mitglied aufnahm, wuchs in der Umgebung von Zürich der Luftverkehr heran. Und es fällt auf, was für eine grosse Rolle alle Fragen, die damit zusammenhingen im Club spielten. Im dritten Jahr wird Walter Mittelholzer in den Club aufgenommen und lädt am Nachmittag seiner Aufnahme sieben mutige Rotarier zu einem Rundflug über Zürich ein. Später berichtet er eingehend über seinen ersten Afrikaflug und es ist für die Zürcher ein ganz neues Gefühl, dass man in einer Woche den Lunch in Kapstadt besuchen kann und in der nächsten im Hotel Elite. Er berichtet auch über seinen Flug nach Südamerika, das er in 4 Tagen erreichen konnte, während die Reise sonst 2-3 Wochen dauerte. Walter Mittelholzer, später Direktor der Swissair, warb auch im Club für eine Anleihe für eine dringend notwendige Erweiterung des zivilen Flugplatzes Dübendorf mit einem Budget von 3.5 Mio. Franken, denn im Gründungsjahr des Rotary Clubs habe es 9000 Flugpassagiere im Jahr gegeben und jetzt, 1931, bereits 19000. Die Tradition setzte sich insofern fort, als immer leitende Leute der Swissair in Zürich Clubmitglieder waren. Der Tod von Walter Mittelholzer in den Bergen stürzt den Club in tiefe Trauer. Auch der Flugpionier Walo Gerber ist Mitglied und berichtet über den Stratosphärenflug von Prof. Piccard, an dem er teilgenommen hatte. Ein anderes Mitglied erzählt über einen 900 km langen Flug mit dem Zeppelin. Auch der Ballonpionier Spelterini ist ein häufiger gern gesehener Gast im Club. Er ist Ehrenmitglied des Rotary Clubs Bruxelles.

Fast von Anfang an wurden auch die rotarischen Damen am Clubgeschehen beteiligt, wenn auch in beschränktem Ausmass. Nachdem ein Gast aus Nizza über die Abendanlässe mit Damen in seinem Club berichtet hatte, wurde diese Möglichkeit auch für Zürich in Erwägung gezogen. So wurde auf alle Fälle der Lichtbild-Vortrag von Rot. Mittelholzer über seinen Afrikaflug als Abendanlass mit Damen durchgeführt und auch eine Lesung aus eigenen Werken von Meinrad Lienert. Es wurde fast jedes Jahr ein Ball durchgeführt mit Tenu Frack oder Smoking, der oft bis zum Morgengrauen dauerte. Dabei kam es einmal zu einem Missgeschick. Zwei Damen verwechselten ihren Silberfuchs. Diese Stücke der weiblichen Garderobe, die sich in den eigenen Schwanz beissen konnten, und die höchstens noch die älteren Damen von ihren Müttern oder Grossmüttern her kennen, wurden dann mit Hilfe des Präsidenten wieder ausgetauscht. Es wurde auch ein monatlicher Bridgeabend mit Damen geschaffen. Aber dieser wird gleich wie ein männlicher Abendschoppen später nie mehr erwähnt. Sie scheinen beide in aller Stille im Sande verlaufen zu sein. Mehr Standhaftigkeit zeigte das 1929 gegründete Damenkomitee, das sich wohltätigen Aktionen widmete und bis heute Bestand hat. Es wurden auch recht früh weibliche Referentinnen eingeladen, was mindestens einmal nicht von Erfolg gekrönt war, denn es steht im Bulletin: «Heute hätte Greta Garbo über ihren Beruf sprechen sollen. Sie ist aber nicht erschienen.»

Da mir noch etwas Zeit bleibt, möchte ich noch einige Bemerkungen über Rotary in der grossen Krise und während des zweiten Weltkriegs anfügen, wobei ich den zeitlichen Rahmen etwas erweitern muss bis ins zwanzigste Jahr des Bestehens des Rotary Clubs Zürich. In den Jahren nach dem grossen Börsenkrach wurde der Lunchpreis zuerst von Fr. 6.50 wegen der allgemein misslichen Wirtschaftslage zunächst auf Fr. 6.- und schliesslich auf Fr. 5.50 ermässigt, wobei allerdings dann statt eines Dreiers nur noch ein Zweier Roter dazu serviert wurde. Als im Krieg der Freitag vom Bund als fleischloser Tag dekretiert wurde, diskutierte eine Mitgliederversammlung, ob man den Lunch auf einen andern Tag verlegen sollte. Man beschloss aber trotzdem, beim Freitag zu bleiben. Kaffee gab es während des Krieges keinen. Auch sonst musste gespart werden. Der Sekretär fragte frühere Vorstandsmitglieder an, ob sie eventuell noch Rotarybriefpapier zu Hause hätten, da ganz rigoros mit Papier gespart werden musste.

Die grossen weltpolitischen Ereignisse gingen natürlich nicht spurlos am Club vorüber. Auffallend spät tauchen aber Bemerkungen im Bulletin auf, die zeigen, dass die Gefährlichkeit des deutschen Nationalsozialismus klar erkannt wurde. Immerhin berichtete 1936 ein Rotarier von seinem Besuch an der Olympiade in Berlin und beklagte die drückende Allgegenwart der Partei. Über Hitler wollte er sich nicht äussern. Man solle Mein Kampf lesen, dann wisse man alles. Ein Vortrag eines Zürcher Rotariers über die Transferschwierigkeiten mit Deutschland soll nicht im Bulletin resümiert werden, da Rotary politisch neutral zu sein habe. Der Bulletinschreiber Adolf Guggenbühl, Redaktor des Schweizerspiegels, verwahrt sich aber mit deutlichen Worten dagegen, dass man einen Vortrag eines deutschen Arztes über Vererbung und Rassenhygiene überhaupt im Zürcher Club zugelassen hatte. In Deutschland herrscht ein rotarisches Durcheinander. Während noch neue Clubs ihre Charterfeier haben, lösen sich andere auf. Es wird vermutet, dass sie ihre jüdischen Mitglieder hätten ausschliessen müssen. 1937 wird Rotary in Deutschland verboten und mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich trifft 1938 die Österreichischen Clubs das gleiche Schicksal, unter andern auch Salzburg. Mit diesem Club, der später der offizielle Kontaktclub werden sollte, hatte Zürich schon damals sehr gute Beziehungen. In Italien kam das aus für Rotary erst 1939, nachdem ein Bericht des internationalen Präsidenten nach einem Besuch bei Mussolini einige Jahre vorher noch recht positiv getönt hatte. Nur der katholischen Geistlichkeit war der Beitritt in Italien schon früher verboten worden.

Im Club sprach ein ehemaliger Abessinischer Staatsrat über sein Land und niemand im Saal ahnte, dass dieses drei Wochen später von Italien überfallen werden sollte. Auch in der Schweiz nimmt der Gedanke an einen bevorstehenden Krieg ständig zu. Viele Referate haben jetzt eine Beziehung zur Landesverteidigung und nach einem Vortrag über das schweizerische Nationalbewusstsein stimmt der Club spontan das Lied «Oh, mein Heimatland» an. Die Wehranleihe des Bundes ist so stark überzeichnet worden, dass der Bundesrat seinem Dank an das Schweizer Volk durch das Läuten lassen aller Kirchenglocken Ausdruck verleiht. Am 1. Sept. 1939 trifft die Mobilmachungsorder während des Freitagslunches ein und eine Woche später sind 35 Rotarier im Militärdienst, also ungefähr ein Drittel des Clubs. Fast alle Vorstandesämter werden von Stellvertretern verwaltet.

Es gibt aber auch Ereignisse, die die Nähe des Krieges direkt vor Augen führen. Rotarier Walo Gerber erhielt den Auftrag, den deutschen Bomber zu untersuchen, der in Greifensee gelandet war. Die Bombenabwürfe über Zürich (im Gebiet der oberen Frohburgstrasse) von einigen schweren Brisanzbomben und 120-160 Brandbomben hinterliessen mehrere Tote und viele Verletzte. Es ist aber nicht erwähnt, dass Rotarier direkt betroffen waren. Einige Bomben auf die Fabrik von Rotarier Bucher in Niederweningen machten nur Sachschaden. In Schaffhausen dagegen wurde die Tochter eines Rotariers getötet. Die Gattin von Past-Gov. Tobler wurde verletzt und ihr Haus fast vollständig zerstört. Das Rotarylokal brannte aus. Und was der Bulletinschreiber damals nicht wissen konnte. Unserem späteren Mitglied Pfarrer Peter Vogelsanger wurde die halbe Kirche weggebombt.

Anderseits boten die kriegerischen Ereignisse dem Club viele Gelegenheiten zu humanitärer Hilfe. Schon vor Ausbruch des Weltkrieges war für Rotarier gesammelt worden, die im Spanischen Bürgerkrieg alles verloren hatten. Eine Weihnachtssammlung ging an Finnland, das sich tapfer gegen das übermächtige Russland wehrte. Im Club wurden zwei Kommissionen gegründet, eine zur Hilfe an Rotarier-Gattinen, die wegen Aktivdienst des Mannes plötzlich mit einem Geschäft allein dastanden, und eine zur Mithilfe bei der Soldatenfürsorge. 1943 durften 30 ausgehungerte Franzosen-Kinder unter Betreuung durch den Club in der Schweiz Ferien machen. Es wurde dazu aufgerufen, Textil-Coupons zu bringen. Schuhcoupons habe man genug um die 30 einzukleiden.

Etliche Bemerkungen in den alten Lunchberichten zeigen, und das ist vielleicht gerade für die heutigen Diskussionen wichtig zu wissen, wie anders eine Situation oft während des aktuellen Geschehens beurteilt wird, als Jahre danach. So wurde z.B. Bundesrat Pilet-Golaz die Ehrenmitgliedschaft in Rotary verliehen. Anderseits gratulierte der Rot. Club Zürich Reichsbankpräsident Rotarier Luther zu seiner Ernennung. An einem Lunch 1938 nach der Münchner Konferenz wurde mit Akklamation beschlossen, Premierminister Chamberlain ein Telegramm zum Dank für die Rettung des Friedens zu schicken, das dieser auch prompt verdankte. Mit der heutigen Kenntnis würde man dies wohl nicht mehr tun.